↑ ↓

Deichkinds Fotos Deutsche Einigungskriege mit Fragen 1860er-1880er Jahre

Dieses Thema im Forum "Fotos , Alben & Postkarten" wurde erstellt von Deichkind, Aug. 22, 2018.

  1. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Moin,
    habe eine ganze Reihe Fotos aus der Zeit der deutschen Einigungskriege bzw. mit Uniformen und Orden der Kriege zwischen 1864-1870/71, die ich eigentlich aufgrund der Ateliers in meine Sammlung integriert habe.
    Da sie vielleicht für einige von euch wegen den militärischen Komponenten interessant sind, stelle ich sie euch hier vor. Allerdings habe ich von dieser Zeit noch weniger Ahnung als von der Zeit danach. Es sind also immer Fragen mit den Fotos verbunden.
    Es wäre toll, wenn einige davon von euch beantwortet werden könnten.
    DANKE!
    Hier ist das erste Foto. Aufgenommen noch/schon in Feindesland, in Belfort, wahrscheinlich während der Besatzung. Das Atelier bestand von 1868-1886. Es zeigt einen frisch mit dem EKII ausgezeichneten Soldaten. Ist das ein Infanterie-Offizier mit Sporen und Reithose? Wegen der Doppellitzen Garde? Oder was haben wir hier?
    Merci,
    Deichkind
    PS: Wikipedia:
    Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 widerstanden die Truppen unter Oberst Pierre Marie Philippe Aristide Denfert-Rochereau 103 Tage lang einer Belagerung durch Preußen; erst auf ausdrücklichen Befehl der französischen Regierung wurden Festung und Stadt am 16. Februar 1871 den feindlichen Truppen übergeben, die die Festung teilweise schleiften. Durch diese erfolgreichen Widerstandsaktionen wurden Belfort und seine Zitadelle zu einem bekannten Symbol des französischen Freiheits- und Kampfeswillens.
    x1870_Kavallerie_Atelier_Pernelle_Belfort_kl.jpg xx.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: Aug. 22, 2018
  2. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hallo Klaas!
    Ich bin mir noch nicht sicher. Er trägt wohl den Kav.Säbel 52. Dazu Reithose, Sporen.
    Ich kann aber die Litzen zur schwarzen Ärmelaufschlagfarbe nicht zuordnen. Oder die Aufschläge blau (rechtdunkel geraten). Dann könnte es Grade-Train sein.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: Aug. 22, 2018
  3. IR 134

    IR 134 Sponsor AbzeichenSponsor

    Ich würde sagen, dass es ein Pionier ist.
     
  4. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo,
    danke euch beiden. Die Aufschläge sehen schon schwarz aus. Damals anscheinend auch schon Pionierfarbe.
    Da er ja beritten ist, ist er also Offizier?
    Gruß,
    Deichkind
     
  5. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Ich weiß nicht, ich weiß nicht...
    Pionier-Offiziere aus der Zeit trugen einen IOD.
    Quelle: Preußisch-deutsche Uniformen von 1640-1918 (Orbis Verlag).
     
  6. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hatten die bayerischen Pionier-Offiziere nicht so Blankwaffen? Ist es ein Chevaulegers-Säbel???
    Im Belagerungs-Korps Belfort u.a. das kombinierte Pionier-Bataillon. Ich weiß aber nicht, ob dort auch Bayern mitgewirkt haben...
    Hatten bayerische Offiziere auch Litzen, wie Preußen?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: Aug. 22, 2018
  7. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo,
    mal schauen, ob sich noch weitere Meinungen ergeben. Damit es bis dahin nicht langweilig wird noch ein Foto aus Belfort aus dem selben Atelier.
    Vielleicht ein Artillerist? Hat jedenfalls einige Schlachten geschlagen zu haben.
    Deichkind
    xx1870_10_Atelier_Pernelle_Belfort.jpg
    xxa.jpg
     
    dragoner gefällt das.
  8. joehau

    joehau Moderator / Sponsor AbzeichenMod

    Chevaulegers-Säbel scheidet aus, der ist stärker gekrümmt. Es ist auch kein M52.
    Dieser Kavalleriesäbel mit den 2 Seitenbügeln könnte ein Dragonersäbel M1849 für
    Mannschaften aus Mecklenburg-Schwerin sein. Das 2. Großherzoglich Mecklenburgische
    Dragoner-Regiment Nr.18 hatte schwarze Aufschläge mit Litzen.

    1870/71 zog das Regiment als Teil der 17. Kavallerie Brigade (17. Inf. Div.) gegen Frankreich.

    Passt das ?

    Gruss Jörg
     
    Zuletzt bearbeitet: Aug. 22, 2018
  9. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo Jörg,
    danke für Deine prompte und produktive Antwort. Vom Gebiet her könnte Mecklenburg hinkommen.
    Mal schauen, ob Andreas weiß, wo sich dieses Truppenteil in Frankreich nach Februar 1871 so aufgehalten hat. Denn während der aktiven Kampfeszeit scheinen sie nicht vor Belfort gelegen zu haben:

    1870:
    • 28. Juli bis 29. August – Küstenschutz in Hamburg
    • 29. August bis 1. September – Verlegung in das Umland von Metz
    • 4. bis 10. September – Einschließung von Metz
    • 13. bis 26. September – Belagerung von Toul
    • 28. September – Zusammenstoß des Quartiermacher-Kommandos der 1. Eskadron mit Franktireurs bei Chevillon
    • 10. Oktober bis 9. November – Einschließung von Paris
    • 17. Oktober – Zusammenstoß eines Beitreibungs-Kommandos der 4. Eskadron bei Melun
    • 13. und 14. November – Patrouillenritte gegen Artenay
    • 17. November – Fußgefecht bei Dreux, gegen französische Marineinfanterie
    • 18. November – Verbindungspatrouille der 4. Eskadron auf Châteauneuf
    • 21. November – Gefecht bei La Madeleine Bouvet
    • 22. November – Scharmützel der Avantgarde bei Belleme
    • 23. November – Avantgarden-Aufklärung der 1. und 2. Eskadron gegen St. Nemy und Jge
    • 25. November – Erkundung des Detachements Detmering gegen Duneau und Conneres (4. Eskadron)
    • 29. November – Erkundung der 4. Eskadron gegen Connerrs
    • 5. Dezember – Patrouillenritte der 1., 2. und 4. Eskadron gegen Châteaudun und Eloyes
    • 8. Dezember – Geplänkel der 1. Eskadron bei Moisy
    • 9. bis 10. Dezember – Kämpfe bei Beaugency
    • 2. Dezember – Schlacht bei Loigny (3. Eskadron)
    • 3. bis 4. Dezember – Kämpfe vor Orléans (3. Eskadron)
    • 7. Dezember – Gefecht bei Meung (3. Eskadron)
    • 8. Dezember – Schlacht von Beaugency (3. Eskadron)
    • 13. Dezember – Scharmützel des Detachements Rauch bei Oucques (3. Eskadron)
    • 14. Dezember – Gefecht bei Fréteval am 14. Dezember (2. Eskadron)
    • 15. Dezember – Gefecht des linken Seitendetachements bei Pezou (4. Eskadron)
    • 30. bis 31. Dezember – Erkundungsauftrag des Detachements Zingler gegen Thiron-Gardais und Nogent-le-Rotrou (3. und 4. Eskadron)
    1871
    • 7. Januar – Avantgarden-Aufklärung der 4. Eskadron gegen Authon
    • 8. Januar – Avantgarden-Aufklärung der 1. und 2. Eskadron gegen La Ferté-Bernard
    • 8. Januar – Verfolgungsauftrag der 3. Eskadron gegen Sceaux
    • 9. bis 12. Januar – Schlacht bei Le Mans
    • 13. Januar – Erkundung der halben 3. Eskadron gegen Carrouges
    • 16. Januar – Patrouillenritt der 1. Eskadron gegen Pré-en-Pail
    • 19. Januar – Erkundung der 4. Eskadron gegen Argentan
    • 22. Januar – Scharmützel bei Bernay (1. und 2. Eskadron)
    • 22. Januar – Patrouillenritte der 3. Eskadron gegen Lisieux und Livarot
    • 29. bis 30. Januar – Patrouillenritte der 1. Eskadron gegen Bolbec und Lillebonne
    Deichkind
     
    Zuletzt bearbeitet: Aug. 23, 2018
  10. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hallo!
    Passt leider nicht.
    Joehau schreibt ja was vom Mannschaftssäbel. Hier haben wir einen Offizier. Die Uniform passt dann leider auch nicht. Im 70er Krieg hatten die 18er noch blaue Ärmelaufschläge in Rockfarbe ohne Litzen. Die Litzen kamen erst 1875 und 1894 änderte sich die Waffenfarbe in Schwarz. (Ärmelaufschläge und Vorstöße).
    Die Verbindung von schwarzen Aufschlägen und weißen Gardelitzen läßt für die in Frage kommende Zeit eigentlich nur das Garde-Pionier-Bataillon zu.
    Mila schreibt zur Blankwaffe:
    "Die Feldwebel und Offiziere haben, und zwar Erstere seit 1822, Letztere seit 1810, gerade Degen wie die Musketier-Offiziere der Infanterie; so auch die Offiziere des Bataillons Nr.14."
    Das gleiche schreibt auch Pietsch:
    "Die Offizierwaffe war ehemals der Musketierdegen..."
    Herr/Nguyen schrieben:
    "Offiziere und Feldwebel führten zunächst den Infanterie-Offizierdegen alter Art... Diesen Degen löste dann der 189 bei den Fußtruppen eingeführte IOD neuen Modells ab."
    Da ist das Problem. Der Degen ist es auf dem Bild nicht!
    Im Herr/Nguyen (Die deutschen Pioniere), ist ein Bild auf S. 161, auf dem man einen ähnlichen Säbel sieht. Es handelt sich dort um Bayern. Nur hatten die Bayern im 70er Krieg besondere Aufschläge mit zwei senkrechten Knöpfen, ähnlich den Sachsen. Ich weiß auch nicht, ob die bayerischen Pionier-Offiziere damals schon Litzen getragen haben.
    Meine Vermutung geht nun irgendwie zu einem Offizier der Armee, Adjutantur o.ä.

    Zum zweiten kann man leider auch nicht viel sagen. Schwed. Aufschläge.
    Auf jeden Fall hat er einiges mitgemacht. Düppeler Sturmkreuz, Alsen-Kreuz, 1866er Erinnerungskreuz, 70/71 Kriegsdenkmünze und EKII.
    Was die Zuordnung der Einheit aber auch nicht einfacher macht...
    Infanterie möchte ich wegen der Aufschläge ausschließen.
    Dragonerauch. Das einzige Dragonerregiment, daß 1864 in Dänemark war, waren die 7er Westfalen. Aber die waren in Alsen nicht zugegen.
    Alle Auszeichnungen hätten getragen werden können von:
    Feldart.Rgt.3
    Feldart.Rgt.4
    Feldart.Rgt.7
    Feldart.Rgt.8
    Pi.Btl.2
    Pi.Btl.3
    Pi.Btl.5
    Pi.Btl.7
     
    Zuletzt bearbeitet: Aug. 23, 2018
  11. IR 134

    IR 134 Sponsor AbzeichenSponsor

    Laut Braun: Die Organisation, Bekleidung, ... wohl doch erst ab 1872. Und das Portepee schaut mir auch nicht nach Bayern aus.

    Aber was ist denn mit den Ingenieur-Offizieren?
     
  12. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hatten Pioniere und Ingenieure nicht die gleiche Uniform?
    Wie lange war Belfort besetzt?
    Könnte es dann bereits eine "neue" Uniform sein?
     
  13. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo Andreas,
    laut frz. Wikipedia war Belfort bis zum Ende der Besatzung allgemein besetzt, also bis (September) 1873.
    Ich danke Dir herzlich für die Eingrenzung zum Soldaten auf dem 2. Foto und die Bestimmung der Auszeichnungen.
    Gruß,
    Deichkind
     
  14. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Also kann die Uniform schon eine neue (72er) bayerische sein.
    Nur bin ich mir nicht sicher, ob ihm eine neue Uniform dorthin geschickt wurde...
    Ich denke eher, wenn er in Frankreich war, hat er die neue wohl erst in der Heimat bekommen, oder?
     
  15. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo Andreas,
    da jetzt bei beiden Fotos "Pionier" ins Spiel gebracht wird, doch mal die Frage des Laien: wie das?
    Gut, die Litzen auf em 1. Foto könnten für Garde-Pioniere stehen, das muß der auf dem 2. Foto nicht sein. Aber der oben hat schwarze Aufschläge, der unten nicht. Warum nicht, wenn beide Pioniere sind? Danke!
    Hier ein neues Foto: Datiert 10.01.1878, aufgenommen in Neisse. Da gab es ja eine Kriegsschule. Hat damit die Schlaufe über der Schulterklappe etwas zu tun?
    Was für ein Rang hat der Soldat?
    Deichkind
    x1870_Neisse_Kriegsschule_Atelier_Jentsch10011878kl.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: Aug. 25, 2018
  16. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hallo Klaas!
    Dein Einwand ist berechtigt. Da er schwedische Aufschläge trägt, fällt Infanterie aus.
    Er hat auch keinen Säbel o.ä., sondern ein Seitengewehr. Leider kenne ich mich damit nicht so aus.
    Laut Mila trugen die nicht-berittenen Feldartilleristen seit 1848 ein längeres, gerades Faschinenmesser, ebenso die Pioniere. Vielleicht kann Joehau die Waffe ja näher bestimmen.
    Pietsch schreibt zu den Pionieren:
    Ab 1856 das Faschinenmesser M55
    Zu Deinem neuen Bild kann ich leider gar nichts sagen
     
    Zuletzt bearbeitet: Aug. 25, 2018
  17. IR 134

    IR 134 Sponsor AbzeichenSponsor

    Das ist ein Offizier, der eine bis 1888 getragene Form des Überrocks trägt, mit schrägen Knopfreihen und Passanten auf den Schultern zur Befestigung der Epauletten. 1888 wurden die Passanten verboten und schließlich 1896 die Knöpfe senkrecht angebracht.
    Aufgrund des Alters ist er sicherlich mindestens Hauptmann, wenn nicht sogar im Stabsoffiziersrang.

    Gruß Stefan
     
  18. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Moin Stefan.
    Große Klasse! Vielen Dank ist notiert. Werde jetzt ein weiteres Merkmal zur Datierung von Fotos haben: Der Überrock mit schrägen Knopfreihen war mir vorher nie aufgefallen. Und das Wort Passanten hatte ich bisher nur in anderem Zusammenhang kennengelernt.
    Habe ich dann die Passante auf dem beigefügten Foto richtig erkannt? Das hieße Foto 1888 oder früher von diesem Stabsoffizier (?) aus Strassburg. Den ersten Orden halte ich für einen RAO, bin aber nicht sicher welcher Klasse (wird wohl 3. od. 4. sein?). Die letzte Medaille ist, schätze ich, die Denkmünze. Dazwischen Kreuze der Einigungskriege (aber welche? ) und das Kreuz an 2. Stelle und der dicke Brummer an 3.?
    Danke euch!
    Deichkind
    x1870_Offizier_RAO_Strassburg_kl.jpg
    xOffizierROA_Strassburg_D.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: März 6, 2020
  19. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hallo!
    Bei dem Bild von Jentsch wundert mich, daß da weder Epauletten noch Schulterstücke zu sehen sind.
    Zum zweiten Bild. Steht da Straßburg hinten drauf? Ist das Wappen nach dem Namen des Photographen nicht sächsisch?
    Die Orden würde ich wiefolgt erkennen wollen:
    RAO2
    KO2
    ?
    Erinnerungskreuz 1866
    Denkmünze 70/71 (?)

    Das Fragezeichen sieht aus wie eine Centenarmedaille, das kann aber wohl wegen des Datums nicht sein.
    Die Epauletten haben keine Fransen, also Subalternoffizier.
     
  20. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Moin,
    das Atelier war in Straßburg. Heißt aber nicht, daß der Fotograf nicht auch in Sachsen ein Atelier gehabt haben könnte und dort die Gunst des sächsischen Herrschers auf sich zu lenken in der Lage war. Oder der Landesvater war mal zu Besuch in Straßburg und wurde dort vom Fotografen ins Bild gesetzt.
    Gruß und Dank,
    Deichkind
     
House Of History Heeresgeschichten Hans Tröbst Sammlergemeinschaft Deutscher Auszeichnungen Wöschler Orden Militaria und Antiquitäten