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Der Landsturm

Dieses Thema im Forum "Formationsgeschichte" wurde erstellt von Ruhrpottpreuße, Aug. 14, 2011.

  1. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Der Landsturm wird heutzutage immer etwas stiefmütterlich behandelt. Es waren keine Elitesoldaten, meistens Männer älteren Semesters, die oft in besetzten Gebieten als Sicherungen eingesetzt waren.
    Man darf aber nicht vergessen, daß sie auch Festungsbesatzungen waren, Pionierdienst versahen, auch schwere Geschütze bedienten usw. Das war eine enorme Entlastung der jungen Frontsoldaten der regulären Kampfregimenter. Man stelle sich vor, die Kampftruppen hätten auch die rückwärtigen Aufgaben übernehmen müssen. Undenkbar!
    Wann man zum Landsturm kam, dürfte den meisten bekannt sein, ich möchte hier nur kurz auf die Formationen hinweisen, ohne jede einzelne Einheit aufzuführen.
    Landsturm ist grob gesehen aufgeteilt in zwei Arten:
    * bewaffneter Landsturm
    * unbewaffneter Landsturm

    Der bewaffnete Landsturm bestand aus "garnisionsfähigen" Männern, der unbewaffnete aus "arbeitsverwendungsfähigen" Männern.

    Grundsätzlich war der Landsturm gegliedert in Bataillone, Batterien und Pionier-Kompanien. Gegen Ende des Krieges wurden verschiedene Bataillone auch zu Landsturm-Regimentern zusammengezogen. Es gab 40 Ldst.Inf.Rgt. in nicht durchnummerierten Reihenfolge. Es begann beim Ldst.Inf.Rgt.Lörrach und hörte auf beim Ldst.Inf.Rgt.115. Diese Regimenter waren meistens Heeresgruppen oder Armeen zugeteilt, aber auch vereinzelt Inselkommandos, oder spät aufgestellten Infanterie-Divisionen.
    Normalerweise wurde der Landsturm aus dem Armee-Korps gebildet.
    Vor 1915 trug der Landsturm als Abzeichen eine arabische Kragennummer, die die Infanterie-Brigade angab, die den betreffenden Landsturm aufstellte. Später bekamen sie die römische Armee-Korps Nummer mit einer laufenden arabischen Nummer.
    Ende 1917 gab es:
    * 942 Ldst.Inf.Btl. (Alle aufzuzählen, wäre zu viel. Ich stehe aber gerne für Fragen zur Verfügung)
    * 104 Ldst.Kav.Eskadrone (leider keine Informationen)
    * 35 Ldst.Feldart.Bttr. (die Batterien wurden von den Armee-Korps aufgestellt. Dazu haten die Bayern, das II.AK und das XVII.AK eine Ldst.Feldart.Abteilung. Dazu gab es in drei Ersatz-Batterien (eine beim VII.AK, eine beim XIII.AK, und eine beim II.bayer.AK) und in Sachsen beim XIX.AK zwei Ersatz-Depots
    * 75 Ldst.Fußart.Bttr. (die zumeist als Landsturm-Btl. eines Armee-Korps bezeichnet wurden. Die Bewaffnung bestand aus sämtlichen Geschützen der Fußartillerie bis 10-15cm, sowie auch Beutegeschützen.
    * 136 Ldst.Pi.Kp. (inkl. Pionier-Park-Kompanien). Diese Kompanien wurden von den Armeekorps aufgestellt. Die Anzahl variierte. Hatte das I.AK zwei Kompanien, so hatte das VII.AK gleich fünf Kompanien! Die einzelnen Kompanien wurden Divisionen, Brigaden, Armeen oder Heersgruppen zugeteilt.
    Zu den aktiven Kompanien gab es auch noch sieben Ldst.Ers.Pi.Kp.

    Die Hauptaufgaben des bewaffneten Landsturms (die nicht in Kampfeinheiten gegliedert waren) waren:
    * Aufstellung von Garnisionen zur Küstenverteidigung
    * Sicherung der neutralen Grenzen
    * Aufstellung von Garnisionen inländischer Festungen
    * Sicherung der Kommunikationslinien
    * Kriegsgefangenenbewachung
    * Aufstellung von Garnisionen in besetzten Gebieten
    * Ldst. Depot Besatzung und Ausbildung der Ldst.Btl.

    Küstenbewachung:
    Die Küstenbewachung wurde in der Regel von den Ldst.Btl. der Armee-Korps geregelt, die an der Küste standen (X., IX. II., XVII., I).
    Für die Nordsee gab es 20 Bataillone.
    Das X.AK stellte acht Bataillone für die Friesischen Inseln, hauptsächlich Borkum und Nordeney.
    Das IX.AK stellte vier Bataillone für die Wesermündung und acht Bataillone für die Westküste von Schleswig, hauptsächlich Sylt.

    Für die Ostsee gab es 30 Bataillone.
    Das IX.AK stllte 12 Bataillone für die Ostküste von Schleswig, hauptsächlich Alsen, Kiel und Lübeck.
    Das II.AK stellte zehn Bataillone für die Verteidigung von Stettin und Rügen.
    Das XVII.AK stellte vier Bataillone für Danzig.
    Das I.AK stellte vier Bataillone für Königsberg und Labiau.

    Sicherung der neutralen Grenzen
    Diese Aufgaben übernahmen insg. 40 Bataillone hauptsächlich an der niederländischen und schweizer Grenze. Einige gab es auch an dänischen Grenze.

    Aufstellung von Garnisionen inländischer Festungen
    20 Garnisions-Bataillone übernahmen diese Aufgabe. Die Festungen waren: Posen, Breslau, Straßburg, Graudenz, Lötzen, Marienburg, Soldau, Ingolstadt und Regensburg

    Sicherung der Kommunikationslinien
    Diese Aufgabe übernahmen 12 Ldst.Btl. die den Etappen-Inspektionen eingegliedert waren, die den Armeen unterstellt waren.

    Kriegsgefangenenbewachung
    Es gab ca. 150 Kriegsgefangenen-Arbeiter-Bataillone. Jedes Bataillon hatte ca. 2000 Gefangene, die von ca. 150-200 Landsturmmännern bewacht wurden.

    Aufstellung von Garnisionen in besetzten Gebieten
    Die besetzten Gebiete wurden mit folgenden Stärken bewacht:
    Belgien mit 90 Ldst.Btl. Belgische Garnisionen kamen auf 5-12 Bataillone, dazu kam die Bewachung der Eisenbahnlinien um Lüttich, Brüssel, Namur und Gent.
    Die Festungen in Belgien und Frankreich (nähe der belg. Grenze) waren: Antwerpen, Brügge, Brüssel, Charleroi, Gent, Hasselt, Lüttich, Luxemburg, Malines, Maubeuge, Namur, Soignies, St.Quentin und Tournai.

    Ldst. Depot Besatzung und Ausbildung der Ldst.Btl.
    In den Armee-Korps Bereichen wurden in den Depots sogenannte Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillone errichtet. Diese Einheiten dienten als Depot-Bataillone

    Der unbewaffnete Landsturm
    Dieser hatte Ende 1917 folgende Einheiten (eine Erklärung kann man sich sparen, die Begriffe sprechen für sich):
    * 220 Armierungs-Bataillone
    * 60 Straßenbau-Kompanien
    * 50 Etappen-Hilfs-Kompanien
    * 30 Etappen-Sammel-Kompanien
    * 150 Wirtschaft-Kompanien
    * 20 Ernte-Kompanien
    Dazu gab es noch einige Facharbeiter-Bataillone
     
  2. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Moin,
    mal 'ne Frage zu den Landsturm Armierungs-Bataillonen.
    Hintergrund meiner Frage, ist eine EKM, die ein Kollege in den USA bekommen hat.
    Beschriftet ist die Marke mit den üblichen Daten, + Landsturm Jnfanterie Ersatz Bataillon, Frankfurt am Main, XVIII Armee Korps / + ARMierung Bataillon 73

    Jetzt kommt die Frage:
    War dieses Armierungs-Bataillon eine Landsturm Einheit? oder
    Wurde dieses Armierungs-Bataillon mit Männern vom Landsturm aufgefüllt?

    OK, waren zwei Fragen! ;-)

    Danke
    Gruß
    Wolfgang
     
    Zuletzt bearbeitet: März 13, 2018
  3. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

  4. arb

    arb Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Andreas,


    Armierungstruppen:

    Mit dem Eintritte der Mobilmachung wurden die deutschen Festungen armiert, d.h. in gefechtsfähigen Zustand gesetzt und der planmäßige Ausbau vollendet. Dafür mußten eine Menge von Arbeitstruppen eingesetzt werden, die in den Mobilmachungsplänen der einzelnen Festungen schon im Frieden vorgesehen waren. Diese aus gedienten und ungedienten Landsturmpflichtigen zusammengestellten und militärisch organisierten Verbände führten die verschiedensten Namen: Arbeitstruppen Btl., Arm. Btl. Arb. Btl., Schanz Btl., Park Komp. Komp., Arbeitstrupp Komp., Arbeits Baukomp., Ldstr, Arb. Komp., Arm. Kol., Bergarbeiter Kol. Ihre Bezeichnung war eine korpsweise, meist noch mit Namen der betreffenden Festung versehen. Ein Teil der Formationen löste sich nach Beendigung der Armierung wieder auf. Den größeren Teil aber riefen die Erfordernisse des Stellungskrieges alsbald aus der Heimat ins Kriegsgebiet. Dort wartete ihrer eine sehr umfangreiche Arbeit. Es galt sowohl Wege und Straßen zu bahnen, als auch zahlreiche und ausgedehnte rückwärtige Stellungen anzulegen. Um eine geordnete und planmäßige Verwendung auch der Arbeitstruppen zu ermöglichen, zog das Kr. Min. durch seine Erlasse von 13.02. und 10.04.15 die bisherigen Verbände zu Armierungsbataillonen zusammen, die sich im Laufe der Zeit vermehrten, so daß im ganzen 217 Bataillone formiert wurden. Die Bataillone rechneten zu den Armeetruppen und wurden vom AOK je nach Bedarf der Etappe oder Truppenverbänden unterstellt.

    Hermann Cron, "Die Organisation des deutschen Heeres im Weltkriege:, E.S. Mittler&Sohn, Berlin, 1923. Seite 160

    Andy
     
    Deichkind gefällt das.
  5. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Danke!
     
  6. KIR

    KIR Ehrenmitglied AbzeichenSponsor

    Tach zusammen
    ... anscheint wohl auch in alter blauer Uniformierung des zugewiesenen Truppenteils aber mit einer Armbinden: "Arm.-Btl.".
    Siehe dazu auch älteren Beitrag hier: Armierungs-Bataillon | Feldgrau
    Gruß Jens
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: März 13, 2018
  7. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hier mal ein Soldat einer Straßenbaukompanie mit entsprechender Armbinde und einem entsprechendem Formationsstempel. Daß dieser Herr nicht mehr zur kämpfenden Truppe gehört, sollte relativ deutlich sein. Das Foto wurde wohl in Lemberg aufgenommen, der Soldat war vorher im russischen Grenzgebiet eingesetzt gewesen. Man bemerke die fehlende Uniform. Nur die Armbinde weist ihn als Soldaten aus.
    Deichkind
    HR08_3v.jpg HR08_3vd.jpg StrassenbauKomp.jpeg
     
    Zuletzt bearbeitet: März 13, 2018
  8. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hmmm, mit der Schaufel scheint er aber auch nicht mehr der Schnellste gewesen zu sein. Eigentlich unvorstellbar, daß so Leute noch zu Arbeiten gezogen wurden. Er hätte vielleicht besser irgendwo bei der Feldpost unterkommen können
     
  9. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Andreas oder jeder andere, der die Frage beantworten kann,
    Deine obige Zusammenstellung hat sich für mich über die Jahre immer wieder als nützlich erwiesen, daher nochmal meinen Dank dafür. Allerdings hätte ich noch eine Frag dazu. Vielleicht ist jetzt mehr Wissen vorhanden als 2011 (wir lernen ja alle dazu). Nach welchem Prinzp/ Idee wurden die Landsturmverbände nummeriert, die NICHT zur Infanterie gehörten, also Kavallerie, Pioniere? Anscheinen ja nicht nach dem Schema der Infanterie mit AK Nummer römisch und Btl. Nr. arabisch.
    Schöne Grüße,
    Deichkind
     
  10. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hallo Klaas!
    Die wurden ja nur nach Armeekorps benannt.
    1914 gab es bei der Kavallerie Landsturm-Eskadrons
    je 4 vom I., IV., V., VII., XVII., I.b.AK
    je 3 vom II., IX., X., XIV., XVIII., II.b. und III.b.AK
    je 1 vom XII und XIX.AK

    Die Feldartillerie hatte mobile Lnadtsumr-Batterien:
    je 2 vom II.-VI., XVII und I.b.AK
    je 1 vom VII., VIII., XII., XIII., XVIII., XIX. und II.b. und III.b.AK
    alle 1915 in Abteilungen eingezogen

    Die Fußartillerie hatte ebenfalls mobile Landsturm-Bataillone:
    2.8.14: 1 Btl. beim I.-XV., XVII.-XX. I und II. b.AK, sowie 2 Btle. beim b.III.AK
    5.2.15: 2.Btl. beim VIII
    2.11.16: 2.Btl. beim VII
     
  11. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo Andreas,
    danke für die Aufstellungen der Waffengattungen.
    Das wäre also zB: 3. Landsturm-Kavallerie Esk. I.AK ?
    Weißt Du wie das mit den Ldst. Pionieren war? Nicht die Bezeichnung sondern die Einheiten...
    Beste Grüße,
    D.
     
    Zuletzt bearbeitet: Mai 20, 2020
  12. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Ja. So sehe ich das
     
  13. fuchsi

    fuchsi Sponsor AbzeichenSponsor

    ja ja.
    Landsturm ist eigentlich ein unerschöpfliches Thema und mit vielen offenen Baustellen versehen. LStB Hagenau kam von der Grenzsicherung im Elsaß total unvorbereitet zum Kampfeinsatz in Blinno. Ein Kosakenhauptmann griff beherzt an und verdiente sich damit einen Ehrensäbel vom Zaren.
    http://blinno.pl/in-french.html
    Falls sich einer interessiert.
    grüße
     
  14. Landstürmer

    Landstürmer Sponsor AbzeichenSponsor

    Hallo fuchsi,
    als einem der polnischen und französischen Sprache nicht mächtigen Leser kann man bei einer oberflächlichen und unbedarften Betrachtung annehmen, dass es sich bei den Hagenauern um eine französische Einheit handelt. Ist das beabsichtigt und bewusst so falsch dargestellt?
    Gruß
    Landstürmer
     
    Zuletzt bearbeitet: Juni 4, 2020
  15. fuchsi

    fuchsi Sponsor AbzeichenSponsor

    Hallöle,
    weder bewusst, noch beabsichtigt.....
    Nur dem geschuldet, dass ein Nachkomme des LStM Fechter eben nun Franzose ist und mit seiner Initiative die polnischen Behörden wach gerüttelt hat. Der Friedhof wurde nach seinem Besuch umgehend in Stand gesetzt. Ich dachte eigentlich, dass die Bilder eindeutig sind.
    Erwähnenswert und immer wieder für Irritierung sorgt der Umstand, dass die Landesfarben Polen und Elsaß zwar weiß und rot sind, aber ebend gespiegelt.
    Grüße
     
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