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Deutscher Scharfschützen-Lehrgang 1914-1918

Dieses Thema im Forum "Formationsgeschichte" wurde erstellt von Spezi, Okt. 5, 2017.

  1. Spezi

    Spezi Aktives Mitglied AbzeichenUser

    Hallo Gemeinde,


    Bis vor kurzem galt der britische Major Hesketh-Prichard als Begründer der ersten offiziellen Scharfschützen Schule (August 1916) der Welt.


    Nun bin ich auf ein interessantes Foto im Buch: Sniping in the trenches (von Major Plaster) gestoßen:

    [​IMG]

    Dies beweist, dass es in Deutschland sehr wohl auch einen Scharfschützenlehrgang gegeben haben muss!!! Und zwar noch vor Hesketh-Prichard.

    Die Frage ist nur ab wann und wo und warum gibt es da nichts Schriftliches?


    Die deutsche Armee hat doch über alles Buch geführt!?


    Fragen:


    1. Was steht im Foto links von April 1916?

    [​IMG]
    Zielfernrohr Kursus


    ????? – April 1916


    2. Ab wann gab es deutsche Scharfschützenlehrgänge und wo waren diese Schulen bzw. Lehrgänge?


    3. Warum gibt es über dieses Thema kaum Infos?

    4. Ich hoffe diese Frage ist jetzt nicht unverschämt und führt zu meinem sofortigen Rausschmiss: Gibt es ein anderes Forum wo ich diese Frage stellen kann?
     

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    Zuletzt bearbeitet: Okt. 5, 2017
  2. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Hallo Spezi,
    hier gibt es Berufenere, um die Frage zu beantworten. Von mir daher nur soviel:
    das Militär-Archiv in Potsdam ging kurz vor Kriegsende in Flammen auf. Daher gibt es kaum Aktenüberlieferung in Bezug auf das preußische Militär. Wer weiß, ob sich in München oder Karlsruhe noch Infos finden.
    Der Scan ist zu klein, um den Namen zu entziffern. fängt mit "D" an.
    Deichkind
     
  3. Spezi

    Spezi Aktives Mitglied AbzeichenUser

    Hallo Deichkind,

    ich dachte ich hätte den zweiten bzw. grösseren Scan auch hochgeladen.
    Na dann versuche ich es nochmal:
     

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  4. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Besten Dank,
    aber es scheint kein Scan sondern abfotografiert sein. Leider zu unscharf. Da müssen andere ran.
    Deichkind
     
  5. dragoner

    dragoner Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hallo ,
    eine Vermutung wäre Zella Mehlis , da war eine Beschussanstallt
     
  6. Deisterjäger

    Deisterjäger Sponsor AbzeichenSponsor

    Moin,

    ich lese auf dem Schild unten links "Döbeln"
     
  7. Deichkind

    Deichkind Supermoderator / Ehrenmitglied AbzeichenMod

    Döbeln kommt hin!
    Deichkind
     
  8. Ruhrpottpreuße

    Ruhrpottpreuße Supermoderator / Ehrenmitglied Mitarbeiter AbzeichenSumoSpo

    Hallo!
    Eine interessante Aufnahme!
    Leider hast Du recht; darüber gibt es fast nichts Geschriebenes.
    Die deutsche Infanterie ist am 4.1.1915 erstmals mit sogenannten "Zielfernrohrbüchsen" ausgerüstet worden, aber erst am 24.4.1917 bekamen die Kompagnien jeweils drei Zielfernrohre.
    Ich kann mir nicht vorstellen, daß es eine einheitliche Schule gab, das wäre bekannt. Ich vermute eher, daß es Kurse gab, die in unregelmäßigen Abständen auf den Übungsplätzen abgehalten wurden, und von den Stellv.Gen.Kdos. befohlen wurden. Genauso dürfte es solche Kurse auf den Übungsgeländen im besetzten Gebiet gegeben haben.
    Das Wort "Scharfschützen-Korps" besagt ja nur, daß die dazu befohlenen Soldaten einen "Korpsgeist" gebildet haben, der aber nicht struktuiert war. Man bedenke, daß sich alle Pioniere auch "Pionierkorps" genannt haben.
     
  9. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Moin,
    na das ist ja mal wieder ein Thema das richtig Spass machen kann.
    Die Sache ist auch nicht so richtig einfach!
    In den 1890er Jahren wurde der erste grössere Truppenversuch mit Zielfernrohren unternommen.
    Siehe auch:
    http://feldgrau.pytalhost.com/threa...y-3-hess-von-wittich-ir-83.34714/#post-149826
    Dann ist eigentlich ziemliche Funkstille bzgl. Scharfschützen bis zum Beginn des 1. WK.
    Von den Bayern sind dann die ersten Bestellungen/Ankäufe vom Dezember 1914 bekannt.
    Auf dem Foto dürften Preussen mit Voigtländer-ZF zu sehen sein.
    Über die Scharfschützen-Ausbildungskurse ist leider tatsächlich so gut wie nix bekannt.
    Gruß
    Wolfgang
     
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  10. Alpenkorps1915

    Alpenkorps1915 Sponsor AbzeichenSponsor

    Anbei mal eine Frage in die Runde, die das Thema tangiert: Ich habe mehrere Fotos in meinem Besitz, die Soldaten des Alpenkorps im Sommer 1915 mit ZF-Gewehren zeigen. Vornehmlich sind dies, wie passend!, bay. Jäger.

    Woran ließe sich denn erkennen, wer die Optik für das Gewehr hergestellt hat? Bzw. gab es eine "Scharfschützenrate" pro Einheit evtl. pro Kompanie oder Zug? Oder wurden diese Männer dann nach gutdünken an den Frontabschnitten verteilt?

    Danke+Gruß
    Immanuel
     
  11. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Moin,
    die Bayern haben zu Beginn des Krieges spezielle Hersteller und Modelle bevorzugt. Hinzu kam noch eine besondere Montage. Ausserdem hatten die Bayern andere Entfernungsmarken auf den Zielfernrohren. Eigentlich alles sehr einfach, wenn mal damit vertraut ist.
    Typische ZF von den Bayern aus den frühen Tagen sind das "Gerard G4x" und "Voigtländer Skoparette 4x". Ausserdem noch ein Busch 4x, aber das ist so schweineselten, dass man es fast vernachlässigen kann.
    Erklär' und zeig' ich Dir dann in Rastatt.
    Kurz und gut, man erkennt den Hersteller an der Form des ZF.
    Gruß
    Wolfgang
    PS: die Scharfschützenrate pro Kompanie hat sich im Laufe des Krieges geändert. Für das Alpenkorps gab es aber eh' andere Vorgaben.
     
  12. Alpenkorps1915

    Alpenkorps1915 Sponsor AbzeichenSponsor

    Hallo Wolfgang,

    spannende Sache, da freue ich mich dann schon auf deine genaueren Erklärungen!

    Was genau meinst du für Vorgaben für das Alpenkorps?

    Anbei mal drei Beispiele! ZF 1 und 2 stammen von den 2er Jägern, ZF 3 von den 1er Jägern!

    Was sehen wir da?

    Danke + Gruß Immanuel
     

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  13. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Das ist auf allen drei Fotos ein 3x Zielfernrohr der Fa. R. Fuess, Berlin-Steglitz.

    Das Alpenkorps erhielt 720 Zielfernrohrgewehre, also 15 Stück pro Kompanie. (Stand Mai 1915)
    Dr. Dieter Storz schreibt in seinem Buch "Gewehr & Karabiner 98" sehr detailliert darüber.

    Auf dem Foto ist so ein Fuess 3x mit dem nummerngleichen Behälter, Lodenhülle und Zubehör.

    PS: Auf Deinen Fotos erkennt man sehr schön, dass das ZF komplett links seitlich montiert ist. Eigentlich eine eher preussische Variante. Die Bayern bevorzugten zumindest zu Beginn des Krieges 4x Zielfernrohre und eine mittige Montage.
     

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    Zuletzt bearbeitet: Okt. 6, 2017
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  14. Alpenkorps1915

    Alpenkorps1915 Sponsor AbzeichenSponsor

    Sehr interessant!

    Und was hat der Mann bei ZF 1 noch an das Zielfernrohr montiert? Ist das eine Art Lederkappe, so wie eine Augenmuschel?

    Gruß Immanuel
     
  15. Spezi

    Spezi Aktives Mitglied AbzeichenUser

    Ist eine sogenannte Lichtschutzblende.
    Diese hat zwei bzw.drei Funktionen:
    1. Natürlich Augenschutz.
    Das grösste Problem beim Scharfschützen (weiß ich aus eigener Erfahrung) ist, der Augenabstand zum ZF. Dieser ist bei deutschen Sportgewehren ca. 8cm. Bei den Amis durchaus 8-12cm. Der Supergau eines jeden Schützens ist es, dass er das ZF durch den Rückschlag auf die Nase oder an die Augenbraue bekommt. Je nach Rückschlag führt das u.a. zu blutigen Verletzungen.:confused:
    Dies wäre aber noch gar nicht so schlimm. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass der Scharfschütze danach das berühmte Mucken anfängt. D.h. bei der Schussabgabe kneift er das Auge zu oder verreisst das Gewehr. Dies ist natürlich der absolute Horror für die Präzision.
    2. Der Lichteinfall wird dadurch minimiert. Beim Schuss in der Dunkelheit sollte man sowenig Streulicht (Licht zwischen Okular und Auge) haben. Denn Streulichlicht lässt das Ziel schwerer erkennen.

    Die Lichtschutzblende ist nicht mit dem Wabenfilter zu verwechseln. Dieser ist auf der andere Seite des ZF´s und verhindert, dass der böse Feind nicht die Spiegelung meines ZF´s sieht.

    3. (nicht so relevant) Schutz des Glases

    Wow. Ich konnte sogar einen sinnvollen Beitrag in einem Historie-Fach-Forum bringen:)
     
    Zuletzt bearbeitet: Okt. 6, 2017
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  16. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Diese Dinger gab es aus Leder, Gummi und einer Art Kunststoff.
    Sowohl für das Okular als auch für das Objektiv. Ist aber auch Herstellerabhängig.

    Mein Beispiel hier zeigt ein Goerz 3x (Mitte) mit den kunststoffartigen Teilen. (ausgehärteter Gummi???)
    Darüber ist der zugehörige Köcher.
    Darunter ein Hahn 3x. Hahn, Cassel und Fuess, Berlin-Steglitz waren m.W. die einzigen Hersteller, die ihre Zielfernrohre auch lackierten.
     

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  17. Alpenkorps1915

    Alpenkorps1915 Sponsor AbzeichenSponsor

    Besten Dank für eure Antworten, kenne mich mit dem Thema gar nicht aus, von daher eine richtige Bereicherung!

    Gruß Immanuel
     
  18. Spezi

    Spezi Aktives Mitglied AbzeichenUser

    Wunderbares Beispiel für Punkt 1-3 wie ich es gerade beschrieben habe. Der hintere Teil ist heute der Wabenfilter. Das gab es damals (wahrscheinlich) noch nicht und deshalb behalf man sich mit einer "Verlängerung".
     
  19. Amberg

    Amberg Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Wenn der Augenabstand nicht passt .....
     

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  20. Spezi

    Spezi Aktives Mitglied AbzeichenUser

    Wunderbares Bild.:D
    Wobei ich einer der wenigen bin, der das ZF nicht ans Auge (bzw. Augenbraue) sondern immer auf die Nase bekommen hat.
    Und nein, ich habe keine riesen Gonzo (Muppets-Show) Nase!!!:eek:
     
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