↑ ↓

Marinebekleidungsämter nach dem 1. WK

Dieses Thema im Forum "Marine" wurde erstellt von Schlicktau, Juni 30, 2020.

  1. Schlicktau

    Schlicktau Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Moin,

    selber habe ich entsprechendes Dokument noch nicht gesehen, aber im Stadtarchiv WHV soll es ein Entsprechendes geben, welches besagt, das das Marinebekleidungsamt WHV nach 1918 geschlossen wurde.
    Was kann ich darunter verstehen? Komplette Schließung? Kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen, immerhin blieb WHV größter Marinestandort (und sogar größte Garnison im Deutschen Reich, wenn ich nicht irre).
    Oder wurden nur gewisse Bereiche wie Schneiderei dicht gemacht?
    Übernahm das Amt Kiel diese Aufgaben oder wie war das in der Reichsmarine dann geregelt?

    Gruß Frank
     
  2. Mainschiffer

    Mainschiffer Sponsor AbzeichenSponsor

    Nach meiner Kenntnis gab es auch nach 1918 ein BKA Kiel und ein BKA WHV. Für die Kriegsmarine bin ich mir da ganz sicher, aber auch für die Reichsmarine habe ich bisher nichts über eine Zusammenlegung/Schließung gehört. Mal sehen was Bernd (Junker 47) meint, der weis es sicherlich definitiv.

    Stefan
     
  3. Junker47

    Junker47 Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hallo Frank,

    eine solche Schließungsverordnung kenne ich nicht.
    Die Situation nach Kriegsschluß war:
    - Die Kaiserliche Marine wurde abgewickelt. Dafür wurden für alle Dienststellen, Formationen und Einheiten
    sogenannte Abwicklungsabteilungen gebildet. Die Idee dabei war, die Truppen geordnet in ihre
    Friedensstandorte zu überführen, dort auszukleiden und regulär zu entlassen.
    - Gleichzeitig war die von den Siegermächten zugestandene Marine so klein (ca. 10.000 Mann), dass sie mit der
    auferlegten Aufgabe, Minen in Nord- und Ostsee zu räumen, schon fast an die Grenzen stieß, was Mensch und
    zugestandenes Material leisten konnte.
    - Das MBklA WHV war eine riesige Behörde mit noch größeren Beständen, die ein Heer von Ökonomiehandwerk-
    ern beschäftigte und gleichzeitig noch Arbeiten an zahllose heimische und außerheimische Betriebe vergab.
    Ich weiß aus den Nachweisungen in den MVBl. nach Kriegsende bis in die 1920er, dass versucht wurde, die
    riesigen Mengen an Bekleidung, Ausrüstung, Abzeichen, Blankwaffen zu verkaufen. Vieles "schluckten "Verwer-
    tungsgesellschaften".

    Ich denke, da das MBklA WHV Ableger in Brügge und Ostende hatte, diese gemeint sind. Alles andere ergibt für mich keinen Sinn, da nach Kriegsende die Kaiserliche Marine abgewickelt wurde und fast zeitgleich die Vorläufige Reichsmarine die Vorgaben (Minenräumung) der Alliierten umsetzen musste.
     
  4. Schlicktau

    Schlicktau Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Hallo ihr Zwei,

    jo, ich war auch baff erstaunt, als ich das las, im sehr empfehlenswerten Buch „Wilhelmshaven-Rüstringen im Schatten der Reichsmarine“. Jahrelang übersah ich die Fußnote, in der ein Schreiben aus 1929 von keinem Geringeren als den damals amtierenden Bürgermeister von Rüstringen Friedrich Paffrath, der hier die Einstellung des Betriebes des MBklA und der Marineschlachterei beklagt, aufgeführt wird. Vorstellen kann ich mir das auch alles nicht. In den Verordnungsblättern habe ich auch nix gefunden. Ich hoffe, während meines Urlaubs in ein paar Wochen ins Stadtarchiv zu kommen, dann werde ich mir das Schreiben mal angucken
     
    Zuletzt bearbeitet: Juli 1, 2020 um 20:00 Uhr
  5. karli

    karli Sponsor AbzeichenSponsor

    Moin,
    zur Ergänzung einen Auszug aus Hildebrandt " Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945", hier Band 2, die belegen,das die Intendaturen (dazu gehört ja auch das Bekleidungsamt) immer weiter existierten. Den Anhang 138920 betrachten Den Anhang 138920 betrachten
    Scan 1 und 2 zeigen den Aufbau der Nordseestation nach dem Kapp-Putsch, Scann 3 und 4 Intendatur und ihre Kommandeure.
    Gruß
     

    Anhänge:

  6. Schlicktau

    Schlicktau Bekanntes Mitglied AbzeichenUser

    Moin,
    danke für diesen Beitrag.

    Ich konnte nun Einsicht nehmen in die Ranglisten der 20er-Jahre und hier ergab sich was Interessantes:
    von 1922 - 28 werden sowohl in Kiel als auch WHV MarinebekleidungsMAGAZINE gelistet.
    Und tatsächlich, auch das ein frischer Fund, steht im Verordnungsblatt Nr. 20/1928 v. 1. August auf Seite 141 unter lfd. Nummer 180:
    "Nachdem durch Besoldungsgesetz vom 16. Dezember 1927 für die Marinebekleidungsmagazine die Bezeichnung "Marinebekleidungsämter" festgelegt ist, haben die Marinebekleidungsmagazine Kiel und Wilhelmshaven vom 1. August 1928 ab die Bezeichnung "Marinebekleidungsamt Kiel bzw. Wilhelmshaven" zu führen.
    Eine Änderung in dem Aufgabenkreis der früheren Marinebekleidungsmagazine tritt hierdurch nicht ein."


    "Magazin" klingt ja nun doch eine ganze Nummer kleiner als "Amt". Und die erneute Umänderung der Bezeichnung hatte ja anscheinend keine Veränderung bzgl. Umfang der Aufgaben. Vielleicht steckt hierin die Erklärung über die Klage des Bürgermeisters Paffrath? Nicht nur das durch drastische Verringerung der Marine bedingte geringere Arbeitsaufkommen und sicher auch weniger Personal, sondern eben auch deutlich weniger Aufgaben, somit nochmals weniger benötigtes Personal, z.B. durch Wegfall der Werkstätten.?.?
     
House Of History Heeresgeschichten Hans Tröbst Sammlergemeinschaft Deutscher Auszeichnungen Wöschler Orden Militaria und Antiquitäten